Meine erste Fahrt mit dem „Roland von Bremen“ / Von Artur Gerwinat

Liebe Eigner des „Roland von Bremen“,

ein herzliches Danke für 14 Herbsttage (auch durchsegelte Nächte) auf einem außergewöhnlichen Schiff. Es waren wunderbare, harmonische, abwechslungsreiche, anregende Tage und Abende mit interessanten Mitseglern, -Seglerinnen und Skippern.

Mit dem „Roland“ war ich September/Oktober 2013 gesegelt, etwa 600 Seemeilen von Kiel bis ganz hinauf nach Dänemark, alsdann rüber nach Schweden,durch die Schären-Landschaft wieder nach Süden, quer durchs Kattegat und über den Kleinen Belt zurück zu Muttern: Bei jedem Wetter, zu jeder Tageszeit und in jeder Situation habe ich mich auf dem Schiff wohlgefühlt.

Ich stelle mir vor, dass heutzutage mancher vor seiner Törn-Entscheidung ins Internet geht, um sich zu informieren. So gebe ich einfach mal – sozusagen als Dank und Feedback an die Skipper und Eigner – meine Eindrücke wieder, natürlich aus meiner ganz persönlichen Sicht. Auch in der sprachlichen Form: die Seemannssprache muss ich erst noch lernen.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der „Roland“ mit allem zurecht kommt. Und dabei immer ein sehr sicheres und trotzdem gemütliches Schiff bleibt; weder schweres Wetter noch navigatorisch schwierige Nachtfahrten noch tage- und nächtelanges Durchsegeln, weder Regen noch Kälte bringen den „Roland“ in Verlegenheit. Im Gegenteil! Welcher Genuss, bei Sturmfahrt und Regen, hart am Wind, vom Kartenhaus Schiff und Meer zu erleben – man verzeihe mir den Vergleich, aber so habe ich es erlebt: wie es elegant, ich kann es nicht anders sehen, seinem Ziel entgegen eilt, scheinbar mit dem Element spielend, wie seine Bewohner. Aber auch in der Herbstsonne auf dem großen Deck sich einzurichten, im Vorsegel zum Beispiel. Auch woanders, es gibt ja so viel Platz auf dem Schiff. Höhepunkte sind auf dem „Roland“ einfach normal. Und wo gibt es auf einem Segelboot schon Abendessen mit Kerzenschein, einer guten Stereoanlage, in der wohligen Wärme eines offenen Kamins!

Doch den Lobgesang möchte ich jetzt beenden und sachlich werden …

Die Nacht, auch in Revieren mit starkem Berufs-Schiffsverkehr, wird zur gemütlichen Wache – Romantik mit High Tech, im warmen und trockenen Kartenhaus: Die Schiffsbewegungen hatten wir über AIS )¹, Radar und Funk jederzeit unter Kontrolle, bzw wir waren per Anzeige auf den Instrumenten im uns umgebenden Schiffsverkehr immer sichtbar und per Funk immer ansprechbar, somit technisch hervorragend ausgerüstet. )²

Hart am Wind zu segeln ist ein Vergnügen. Das Schiff läuft auch hier elegant und ruhig seinen Kurs, auch durch hohen Seegang. Gerade da: der „Roland“ poltert nicht durch die Wellen, schlägt und ruckt nicht. Die See lässt ihn gleichsam passieren. Wer möchte, kann draußen Ruder gehen. Ansonsten übernimmt eine (stark dimensionierte) Ruderautomatik die Arbeit, und man bleibt im trockenen Kartenhaus und blickt auf das Treiben nach draußen. Je mehr Wind, desto besser, hatte ich den Eindruck. Das Schiff ist ja auch für Starkwind konstruiert. )³

Küche: Es ist unglaublich, wie komplett die Küche ausgerüstet ist.

Und wie gut gekocht wird an Bord. Zum Essen ist reichlich Platz für 6 Personen, es passen aber auch 8 an den großen Tisch. Gegessen wird vielleicht etwas zu gut und zu viel.Auf meinen beiden Törns habe ich erlebt, dass kocht, wer sich gerade dazu berufen fühlt. Die Qualität der Ergebnisse hat mich dabei so beeindruckt, dass ich mich beim Kochen zurückgehalten habe und dafür öfter die Spülarbeit übernahm.

 

Die Schlaferei hat eher sportlichen Charakter: Es gibt reichlich Platz auf und über den Sitzbänken sowie in zwei Kabinen. Das hat frühen Jugendherbergs-Charakter, jedoch haben alle immer gut geschlafen, und es war mollig warm (Ölofen). Und trocken – sehr schätzenswert! Die Bezüge der Polster werden sicherlich in nächster Zeit neu bezogen werden. Geduscht wird in den Häfen; da hat man ohnehin mehr Platz.

Das Schiff wird von mehreren Skippern gesegelt, jeder mit eigenem Charakter und auf seine Art interessant. Von vieren kenne ich bereits zwei. Und mit jedem von beiden würde gerne wieder auf Fahrt gehen. Die auch zum Teil ihren Freundeskreis mitbringen – ehemalige Mitsegler wie ich, die dann zu Freunden des „Roland“ geworden sind und immer wieder gerne an Bord kommen. Wenn nicht ein Freundeskreis das gesamte Schiff chartert.

Als „Neuer“ oder „Neue“ wird man herzlich aufgenommen, man fühlt sich sofort wohl an Bord. Wertschätzung ist auf dem „Roland“ angesagt. Wer möchte, nimmt an den Manövern teil, auch ohne Schein und Kenntnisse. Die alten „Roländer“ sind immer gerne bereit, einen einzuweisen. Dafür (und für den Picobello-Sauber-Zustand) nimmt man ebenso gerne mal den Besen in die Hand. Oder bringt die Brötchen mit, vom morgendlichen Gang zu den Duschen der Marina. So wusste ich schnell, dass meine beiden Törns nicht die einzigen bleiben würden. Wie man sieht, gerät mir auch meine sachliche Beschreibung zum Lobgesang. Und so freue ich mich auch schon auf meine nächsten Törns, im Sommer, im Atlantik. Wer das ist, der da so spricht? Ein Jahrgang 1938; hat öfter gesegelt in französischen Gewässern. Ist pensionierter Schullehrer für Deutsch und Französisch. Gerne sportlich und geistig unterwegs.

Liebe Eigner und Skipper, wer auf dem „Roland“ fährt, zieht ein großes Los. Ich wünsche Euch und Eurem Schiff alles Gute und mir noch viele Fahrten und Begegnungen mit Euch und auf auf Eurem wunderbaren Schiff.

Anmerkungen:

)¹ zu AIS siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Automatic_Identification_System
)² nicht zu verachten: mehrere Steckdosen 220 V zum Aufladen zB von Akkus
)³ zur Geschichte des Schiffes siehe http://www.yachtsportarchiv.de/ydw/roland.html

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